Am 21. März 1960 wurden 69 Menschen, die friedlich gegen die Apartheid demonstriert hatten, von Polizisten des Apartheidstaats – der Südafrikanischen Union – massakriert. Sechs Jahre später, am 26. Oktober 1966, erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 21. März zum Internationalen Tag zur Beseitigung der Rassendiskriminierung bzw. zum Internationalen Tag gegen Rassismus.
Wie in der Vergangenheit ist Rassismus auch heute noch die Ursache für zahlreiche schreckliche Gewalttaten – weltweit und auch in Deutschland. In den 1990er Jahren waren Migrant*innen und Geflüchtete sowie Obdachlose und andere Menschen, die nicht in die rassistische Weltanschauung passen, in Deutschland von einer Welle rassistischer bzw. neonazistischer Gewalt betroffen, bei der mehr als hundert Menschen getötet wurden: unter anderem in Mölln im November 1992, in Solingen im Mai 1993 und in Lübeck im Januar 1996.
Rassistische Gewalt beschränkte sich jedoch nicht auf die 1990er Jahre: Laut den Daten der Amadeu Antonio Stiftung wurden seit den 2000er Jahren 120 Menschen Opfer extrem rechter Gewalt. Unter anderem wurden am 19. Februar 2020 in Hanau neun Menschen bei einem rassistischen Anschlag getötet. Ibrahim Akkus, ein überlebendes Opfer des Hanau-Anschlags, ist am 10. Januar 2026 an den Spätfolgen seiner Verletzungen gestorben.
Rassismus in Deutschland ist leider ein strukturelles Problem. Rassismus ist im Alltag von Migrant*innen, Geflüchteten und Menschen, die als nicht deutsch wahrgenommen werden, nach wie vor präsent. Unsere Registerstelle – Register Spandau – hat im Jahr 2025 Vorfälle von Alltagsrassismus dokumentiert, darunter Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen:
13-Jährige bedrängt und Kopftuch heruntergerissen
07.05.2025 Bezirk: Spandau
An der Bushaltestelle Metzer Platz in Wilhelmstadt wurde eine 13-Jährige, die in Begleitung von drei Freundinnen war, von einer Frau angesprochen und bedrängt, da sie sich angeblich falsch verhalten habe. Dann riss die Frau das Kopftuch des Mädchens herunter. Daher wird das Motiv als rassistisch bewertet. Das Kind zeigte den Vorfall selbst bei der Polizei an und wurde anschließend zu den Eltern gebracht.
Anti-Schwarze Beleidigungen und Bedrohung in der Altstadt Spandau
19.04.2025 Bezirk: Spandau
Im Bus der Linie 134 Richtung Rathaus Spandau setzte sich ein Schwarzer Mann vor einen weißen Mann. Dieser streckte die Zunge heraus, als wolle er den vor ihm Sitzenden berühren. Daraufhin informierte eine weiße Frau den Schwarzen Mann über die Situation und stieg gemeinsam mit ihm am Rathaus Spandau aus. Der weiße Mann stieg ebenfalls aus und beschimpfte die Frau sexistisch und als "Verräterin". Er machte außerdem Spuckgeräusche in ihre Richtung. Er folgte den beiden und beschimpfte sie dabei. Erst als sich der Schwarze Mann laut und deutlich an ihn wendete, zog er sich zurück, beobachtete die beiden aber weiterhin. Er ging erst weiter, als ein älterer weißer Passant sich einmischte, der eine Eskalation befürchtete.
Lasst uns Rassismus sichtbar machen und gemeinsam dagegen ankämpfen!
Als eine Registerstelle des Berliner Registers sind wir davon überzeugt, dass die Dokumentation und Veröffentlichung von Vorfällen von Rassismus und Diskriminierung ein wichtiger Bestandteil der Bekämpfung von Rassismus ist. Mit unserer Arbeit machen wir Rassismus, Diskriminierung sowie extrem rechte Propaganda und Gewalt im Alltag sichtbar. Wir nutzen unsere Daten, um die Bekämpfung von Rassismus zu stärken und dazu aufzurufen.
Beim Register Spandau können Sie Vorfälle von Rassismus, Diskriminierung, Antisemitismus, LGBTIQ*-Feindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit, Obdachlosenfeindlichkeit sowie alle Formen von rassistischer und extrem rechter Propaganda melden. Dazu zählen auch Einschüchterungen, Beleidigungen, Angriffe usw. gegen politische Gegner*innen der extremen Rechten:
über Meldeformular: https://berliner-register.de/vorfall-melden/
via E-Mail: register.spandau@giz.berlin
Sevim Özdemir