Am 17.05.2026 konnten Berliner*innen der Lernerin Tina durch die Spandauer Altstadt folgen: Bei diesem ungewöhnlichen Kiezspaziergang unseres Alpha-Bündnisses zeigte sie Orte, die im Alltag zur Herausforderung werden, wenn Lesen und Schreiben nicht selbstverständlich sind. Sie berichtete von versteckten Hürden im Supermarkt, von komplizierten Bankautomaten, rätselhaften Speisekarten und davon, warum der Kauf von Kleidung und Schuhen mit verwirrenden Größenangaben und Etiketten selten ein entspanntes Shoppingerlebnis ist.
Tina ist gering literalisiert – das bedeutet, dass ihr Lesen und Schreiben schwerer fällt als vielen anderen Menschen. Damit ist sie keineswegs allein: Laut einer aktuellen Studie betrifft das rund 20 Prozent der 16- bis 65-Jährigen. Für sie werden alltägliche Situationen oft zu einem Hindernislauf – auch, weil sie von gut lesenden Mitmenschen bewusst oder unbewusst ausgeschlossen oder diskriminiert werden.
Durch den Kiez – mit anderen Augen
Umso beeindruckender ist Tinas Mut, offen über ihren Alltag zu sprechen. Mit ihrer Führung eröffnete sie den Teilnehmenden neue Perspektiven und sensibilisierte sie für ein Thema, das weit mehr Menschen betrifft, als viele vermuten.
Begleitet wurde der Spaziergang auch von der Schirmherrin des Alpha-Bündnisses, der Bezirksstadträtin Frau Dr. Carola Brückner, die die Grundbildungsarbeit in Spandau seit vielen Jahren engagiert unterstützt. Diese besondere Führung wird uns allen noch lange in Erinnerung bleiben.
Julia Naji